WirVsVirus – XITASOnians beteiligen sich am Hackathon der Bundesregierung

25. März 2020 – In der letzten Woche hat die Bundesregierung gemeinsam mit sieben sozialen Initiativen zum Hackathon #WirVsVirus aufgerufen. Auch einige XITASOnians haben das Wochenende genutzt, um gemeinsam mit über 40.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im bisher wohl weltweit größten virtuellen Hackathon Lösungen für Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu finden.

Dr. Sebastian McRae, Senior Consultant bei XITASO Healthcare, hat sich an einer Projektgruppe beteiligt, die sich mit dem Monitoring freier Krankenhausbetten auf Intensivstationen beschäftigt hat.

Für was für eine Herausforderung hast du dich entschieden und warum?

Unabhängig vom Hackathon habe ich letzte Woche mit einem Kollegen darüber gesprochen, dass es eine Möglichkeit geben müsste, deutschlandweit freie Intensivbetten zu monitoren. In der Challenge-Kategorie „Wie können wir die Kapazitäten im Krankenhaus transparenter darstellen?“ gab es dann eine Projektgruppe, die sich mit genau dieser Thematik befasst hat.
Freie Betten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser werden in den kommenden Wochen zu einer wertvollen Ressource, bei der es um Menschenleben geht. Um Kapazitäten jederzeit transparent und schnell abzubilden, benötigen wir eine Plattform, auf der jedes Krankenhaus seine Kapazität an Betten mit und ohne Beatmung live abbilden kann, sodass Notfall-Patienten bestmöglich verteilt werden können. Ziel unserer Projektgruppe war es, für solch eine Plattform einen Prototypen zu entwickeln.

Konntet ihr diese Herausforderung umsetzen? Was ist das Ergebnis?

Entstanden ist “TrackYourBed”, ein Prototyp für ein Bettenmanagementsystem für Krankenhäuser im Kampf gegen Covid-19 und darüber hinaus. Mit der App soll es ermöglicht werden, freie Betten in Intensivstationen in einem leicht verständlichen und vor allem bundesweit einheitlichen System tagesaktuell zu erfassen. Das System soll Krankenhäusern, Leitstellen und dem Robert-Koch-Institut zur Verfügung stehen, um einen schnellen Überblick über Betten-Kapazitäten zu erhalten. Dabei helfen Filter- oder Suchfunktionen, wie zum Beispiel die Umkreissuche dabei, möglichst schnell passende Betten zu finden und Patienten nach Bedarf zuzuteilen. Auch eine Aufteilung nach Bettentypen, Fachabteilungen und der Möglichkeit zur Aufnahme von Covid-19-Patienten erleichtern die Suche.

Ist die Idee komplett neu? Gibt es bisher keine solchen Erfassungen?

Doch, es gibt schon ähnliche Datenbanken, wie zum Beispiel das Intensivregister der DIVI. Allerdings gibt es momentan noch kein einheitliches, bundesweites System, wodurch die Suche nach freien Kapazitäten noch viel zeitlichen und personellen Aufwand mit sich bringt.
Es war uns aber wichtig, auf den bestehenden Plattformen aufzubauen und nicht etwas komplett neu zu entwickeln, was es eigentlich schon gibt. Deshalb besteht unsere Idee darin, mit „TrackYourBed“ zwar ein eigenes Tool zu entwickeln, das aber mit Schnittstellen sowohl an bestehende Lösungen und Datenbanken als auch an das Robert-Koch-Institut angedockt ist.

Dein Projektteam bestand aus über 30 Personen mit unterschiedlichsten Hintergründen. In welchen Bereichen konntest du dich am besten einbringen?

Ich habe vor allem in der Konzeptionierungsphase mit fachlichem Input unterstützt. Kernfragen waren hier unter anderem die Zielsetzung, die involvierten Stakeholder sowie die organisatorische und technische Umsetzbarkeit unserer Ideen. Durch meine Arbeit bei der XITASO Healthcare konnte ich meine Erfahrung bezüglich Optimierungslösungen und Digitalisierung im Krankenhausumfeld hier einbringen. Beispielsweise wäre die Annahme utopisch gewesen, dass innerhalb weniger Wochen Schnittstellen zwischen unserem Tool und allen auf dem Markt existierenden Krankenhausinformationssystemen entwickelt werden könnten.

Am Hackathon haben insgesamt über 40.000 Leute teilgenommen und ihr hattet nur wenige Tage Zeit. Wie wurde das ganze organisiert? Gab es Schwierigkeiten?

Insgesamt lief das Ganze sehr selbstorganisiert ab. Im Vorfeld konnte man Herausforderungen einreichen. Diese wurden dann thematisch geclustert, sodass man sich ein Projektthema aussuchen konnte. Vonseiten der Veranstalter gab es Moderatoren, die viel Koordinationsarbeit geleistet haben und auch für technische oder inhaltliche Fragen zur Verfügung standen.
Innerhalb der Projektteams lief ebenfalls alles sehr selbstorganisiert ab. Mein Team hatte ca. 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Team setzte sich zusammen aus Fachexperten, Entwicklern und Designexperten. Zur Bearbeitung einzelner Teilaufgaben wurden Sub-Teams gebildet, in denen jeder so viel Arbeit investiert hat, wie er wollte und konnte.
Die Kommunikation lief dabei über verschiedene Tools, was am Anfang nicht ganz einfach war, weil einige der Tools komplett neu für mich waren. Der Hackathon war sehr gut organisiert, lediglich die unerwartet hohe Teilnehmerzahl bereitete den Organisatoren anfangs Schwierigkeiten in der Koordination.

Wie geht es jetzt weiter?

Bis zum kommenden Wochenende wählt eine Jury die besten Ergebnisse des Hackathons aus. Wie genau es mit der „TrackYourBed“ App weitergeht ist noch nicht ganz klar. Auf jeden Fall braucht das Robert-Koch-Institut die Lösungen sehr schnell und wir hoffen, dass die Plattform für das Bettenmanagement umgesetzt werden kann, da sie eine optimale Nutzung vorhandener Kapazitäten und damit die bestmögliche Versorgung von Patienten gewährleistet.

Eine anschauliche Zusammenfassung der “TrackYourBed” App und aller Funktionen gibt es in einem kurzen Video.

Dr. Sebastian McRae

Als Senior Consultant bei XITASO Healthcare ist Dr. Sebastian McRae Fachmann für Optimierungslösungen mit mathematisch-wissenschaftlichem Hintergrund im Krankenhausumfeld.